Dem Wald geht es schlecht. Die Bilder von abgestorbenen Fichten, aber auch in ihrer Substanz geschädigten Buchen und Eichen begleiten die Besucher*innen des Teutoburger Waldes. Das deckt sich mit den Ergebnissen aus dem aktuellen Waldzustandsbericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Vier von fünf Bäumen gelten laut diesem als geschädigt. Der Grund hierfür sind Trockenheit, Hitze, Schädlinge und Schadstoffe, die als unheilvolle Allianz den Bäumen in den letzten Jahren immens zugesetzt haben. Dem Bericht zufolge sind die Absterberaten sowohl der Nadel- als auch der Laubbäume so hoch wie seit gut 20 Jahren nicht mehr. 2019 starben gut doppelt so viele Bäume als in den Jahren davor. Doch auch der überlebende Baumbestand hat zu kämpfen.

Zwar ist der diesjährige Sommer im Schnitt feuchter und kühler als die beiden vorherigen, doch für den Wald bedeutet dies keine Entwarnung. Die Grundwasserspeicher sind bei weitem nicht aufgefüllt, die Situation im Wald nach wie vor zu trocken.

Jens Julkowski-Keppler, Vorsitzender GRÜNE Ratsfraktion: „Wir müssen unserem Wald Zeit und auch Raum für die Regeneration lassen. Es reicht nicht, in möglichst kurzer Zeit, auf den im Teuto freigewordenen Flächen möglichst viele Bäume zu pflanzen. Hier geht es entscheidend um die Baumartenauswahl. Und welche Arten genau die richtigen sein werden, darüber streiten sich gerade die Expert*innen. Für uns ist wichtig, dass bei den anstehenden Entscheidungen ein großer Fokus auf die heimischen Arten gelegt wird, da sie wichtige Bausteine im Ökosystem Teutoburger Wald sind.

Jens Julkowski-Keppler weiter: „Es ist nicht damit getan, Fläche um Fläche mit jungen Bäumchen zu bepflanzen. Man muss am Ball bleiben: In langen Trockenperioden müssen die Neuanpflanzungen gewässert werden – das hat es in der Bielefelder Geschichte so bislang noch nicht gegeben. Und auch das Freihalten des Baumnachwuchses von schneller wachsenden Pflanzen wie den Brombeeren ist eine umfangreiche Aufgabe. Deswegen ist es gut, dass die Forstkolonne des Umweltbetriebes um drei weitere Mitarbeiter*innen aufgestockt wird.“

Kerstin Haarmann, GRÜNE OB-Kandidatin: „Wir brauchen einen effektiven Waldschutz durch effektiven Klimaschutz. Der Wald ist durch Dürre, intensive Forstwirtschaft und Stickstoffeinträge im Dauerstress. Dass SUVs auf dem Jahnplatz den Teutoburger Wald töten, ist sicherlich etwas drastisch formuliert, aber vom Prinzip her stimmt es. Wir dürfen nicht nur überlegen, welche Bäume wir möglichst schnell im Teuto nachpflanzen, sondern wir müssen auch über die Ursachen der Misere reflektieren. Hier ist der Klimawandel inklusive der durch die Menschen verursachten Emissionen sowie die Nutzung fossiler Brennstoffe und somit der Ausstoß von Treibhausgasen maßgeblich. Der motorisierte Individualverkehr trägt mit seinen unnötig wuchtigen, vielverbrauchenden Fahrzeugen einen großen Teil bei. Auch in Bielefeld. Auch auf dem Jahnplatz.“